Tirana: Zwischen europäischem Aufbruch und albanischer Identität
Eine Gruppe aus Absolventinnen, Absolventen und Studierenden verschiedener Fachrichtungen machte sich auf den Weg in die albanische Hauptstadt, um ein Land kennenzulernen, das sich inmitten eines tiefgreifenden Wandels befindet. Zwischen den Spuren der kommunistischen Vergangenheit, sichtbaren Zeichen der Annäherung an die Europäische Union und einer jungen, dynamischen Gesellschaft bot Tirana zahlreiche Anknüpfungspunkte für politische, wirtschaftliche und kulturelle Entdeckungen.
LAND & STADT IM ÜBERBLICK
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2,4 Mio. Einwohnerinnen und Einwohner |
2001 Seither Status als EU-Beitrittskandidat |
11,7 Mio. Touristinnen und Touristen im Jahr 2024 |
100 % erneuerbare Stromerzeugung |
Albanien befindet sich im Wandel. Die Nähe zur Europäischen Union ist in Tirana nahezu überall sichtbar – von EU-geförderten Projekten bis hin zu den zahlreichen Europaflaggen im öffentlichen Raum. Gleichzeitig prägen die bewegte Geschichte des Landes, sein wirtschaftlicher Aufholprozess und ein stark wachsender Tourismussektor das heutige Albanien. Besonders spürbar sind auch die engen kulturellen und wirtschaftlichen Verbindungen zu Italien, dem wichtigsten Handelspartner des Landes.
TERMIN 1
vbw – Bayerische Wirtschaftsrepräsentanz Tirana
Den Auftakt des Fachprogramms bildete ein Besuch bei der bayerischen Wirtschaftsrepräsentanz in Tirana. Die noch junge Niederlassung unterstützt seit zwei Jahren bayerische Unternehmen beim Markteintritt in Albanien und stärkt gleichzeitig die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen beiden Regionen.
Besonderes Interesse weckte die Diskussion über den zunehmenden Bedarf an Fachkräften in Deutschland und die Rolle Albaniens als attraktiver Partner für die Gewinnung qualifizierter Arbeitskräfte. Die Vertretung versteht sich dabei als Brückenbauer zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft und trägt aktiv zur Vertiefung der deutsch-albanischen Beziehungen bei.
TERMIN 2
Deutsche Botschaft – Entwicklungszusammenarbeit und deutsch-albanische Beziehungen
In den Räumlichkeiten der Deutschen Botschaft erhielt die Gruppe die Gelegenheit, mit einem Vertreter des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ins Gespräch zu kommen. Dabei standen sowohl die beruflichen als auch die persönlichen Erfahrungen im Mittelpunkt, die mit einer Tätigkeit für die deutsche Bundesregierung im Ausland verbunden sind.
Besonders interessant waren die Einblicke in die tägliche Arbeit an der Botschaft sowie in die vielfältigen Facetten der deutsch-albanischen Beziehungen. Neben politischen und wirtschaftlichen Themen wurde auch deutlich, wie eng die Zusammenarbeit beider Länder im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit ist. Das Gespräch vermittelte einen anschaulichen Eindruck davon, wie internationale Kooperation vor Ort gestaltet wird und welchen Beitrag sie zur nachhaltigen Entwicklung Albaniens leisten kann.
TERMIN 3
Friedrich-Ebert-Stiftung – Albanische Spuren im globalen Kokainhandel
Ein ungewöhnlicher, aber eindrucksvoller Programmpunkt erwartete die Gruppe bei einem Abendprogramm der Friedrich-Ebert-Stiftung. Gemeinsam wurde die Dokumentation „Albanian Traces in the Global Cocaine Chain“ angesehen, die Verbindungen zwischen Albanien und internationalen Drogennetzwerken nachzeichnet.
Der Film beleuchtete die komplexen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Hintergründe des internationalen Drogenhandels und spannte dabei den Bogen von Tirana bis nach Bogotá. Die anschließenden Gespräche boten Gelegenheit, die Herausforderungen organisierter Kriminalität und deren Auswirkungen auf Gesellschaft und Politik zu diskutieren.
TERMIN 4
UEFA U17-Europameisterschaft – Leidenschaft auf dem Spielfeld
Neben Politik und Wirtschaft durfte auch ein sportlicher Programmpunkt nicht fehlen. Beim Viertelfinale der UEFA-U17-Europameisterschaft zwischen Italien und Portugal erlebte die Gruppe ein hochspannendes Spiel, das erst im Elfmeterschießen entschieden wurde.
Portugal setzte sich schließlich gegen Italien durch und zog ins Halbfinale ein. Die Atmosphäre im Stadion zeigte eindrucksvoll, welche verbindende Kraft der Sport auch über nationale Grenzen hinweg entfalten kann.
TERMIN 5
Konrad-Adenauer-Stiftung – Demokratie und europäische Perspektiven
Die Konrad-Adenauer-Stiftung gewährte der Gruppe offene und ehrliche Einblicke in ihre Arbeit in Albanien. Im Mittelpunkt standen politische Bildung, Demokratieförderung und die Begleitung des albanischen EU-Integrationsprozesses.
Besonders deutlich wurde dabei, wie eng die Zukunftsperspektiven des Landes mit einer weiteren Annäherung an die Europäische Union verknüpft sind. Die Stiftung leistet hierzu einen wichtigen Beitrag, indem sie den Dialog zwischen Politik, Zivilgesellschaft und internationalen Partnern fördert.
TERMIN 6
Parlament der Republik Albanien – Politik zwischen Tradition und Transformation
Ein weiteres Highlight war der Besuch des albanischen Parlaments. Das Gebäude wurde ursprünglich im Jahr 1924 als Theater errichtet und später zum Sitz der Legislative umfunktioniert – ein Symbol für die zahlreichen politischen Veränderungen, die das Land im vergangenen Jahrhundert erlebt hat.
Albanien erklärte 1912 seine Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich. Zwischen 1946 und 1991 war das Land von einer kommunistischen Diktatur geprägt, die zu wirtschaftlicher Isolation und großer Armut führte. Heute wird das Parlament vor allem von den beiden großen Parteien dominiert: der Sozialistischen Partei (PS) und der Demokratischen Partei (PD).
Besonders auffällig war die symbolische Präsenz der Europäischen Union: Neben der albanischen Flagge ist im Parlament auch die EU-Flagge prominent vertreten – ein sichtbares Zeichen für die europäische Orientierung des Landes.
TIRANA ERLEBEN
Zwischen Skanderbeg-Platz und Pyramid of Tirana
Neben den offiziellen Terminen blieb ausreichend Zeit, die Stadt selbst zu entdecken. Das Herz Tiranas schlägt auf dem weitläufigen Skanderbeg-Platz, der als zentraler Treffpunkt die bewegte Geschichte und den modernen Wandel Albaniens gleichermaßen widerspiegelt. Umgeben von historischen Gebäuden, Regierungsinstitutionen und modernen Architekturprojekten wird hier sichtbar, wie sich Tradition und Zukunft begegnen.
Ein weiteres Wahrzeichen der Stadt ist die Pyramid of Tirana. Einst als Monument für den kommunistischen Diktator Enver Hoxha errichtet, wurde sie in den vergangenen Jahren zu einem modernen Kultur- und Begegnungsort umgestaltet. Kaum ein Bauwerk symbolisiert den Wandel Albaniens eindrucksvoller als dieses Gebäude, das heute für Offenheit, Kreativität und den Blick nach vorne steht.
In vielen Gesprächen wurde deutlich, welche Bedeutung der Tourismus inzwischen für die wirtschaftliche Entwicklung Albaniens hat. Mit 11,7 Millionen Besucherinnen und Besuchern im Jahr 2024 zählt er inzwischen zu den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren des Landes und trägt sichtbar zur Dynamik der Hauptstadt bei.
FAZIT
Ein Land im Wandel – und eine Reise voller Perspektiven
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Die Studienfahrt nach Tirana hat eindrucksvoll gezeigt, wie stark Albanien von seiner europäischen Perspektive geprägt wird. Die Europäische Union ist dabei nicht nur politisches Ziel, sondern auch sichtbarer Bestandteil des Alltags. Gleichzeitig begegnet man überall den Spuren einer bewegten Geschichte, die das Land bis heute prägt. Die engen wirtschaftlichen und kulturellen Verbindungen zu Italien sowie die zahlreichen sichtbaren Zeichen der Annäherung an Europa zogen sich wie ein roter Faden durch die Reise. Die Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft ermöglichten wertvolle Einblicke in die Chancen und Herausforderungen eines Landes im Aufbruch. Besonders beeindruckend war dabei die Offenheit, mit der über politische Entwicklungen, wirtschaftliche Perspektiven und gesellschaftliche Fragen diskutiert wurde. Doch wie bei jeder COH-Studienfahrt waren es nicht nur die offiziellen Programmpunkte, die in Erinnerung bleiben werden. Gemeinsame Erkundungen durch die Stadt, spontane Gespräche in Cafés und Restaurants sowie die vielen kleinen Eindrücke abseits des Programms machten die Reise zu einem besonderen Erlebnis. Den perfekten Abschluss fand die Studienfahrt schließlich bei einem gemeinsamen Abend in einer Karaoke-Bar. Nach intensiven Tagen voller Diskussionen, neuer Erkenntnisse und spannender Begegnungen wurde dort noch einmal gemeinsam gelacht, gesungen und auf eine gelungene Reise angestoßen – ganz im Sinne dessen, was eine COH-Studienfahrt seit jeher ausmacht: fachlicher Austausch, persönliche Begegnungen und unvergessliche gemeinsame Erlebnisse. So bleibt Tirana nicht nur als politisch und kulturell spannendes Reiseziel in Erinnerung, sondern auch als Stadt, die neugierig auf mehr macht – auf Albanien, den Westbalkan und die Zukunft Europas. |
